| Zum Sonnenaufgang
machen wir noch eine kurze "Stadtrundfahrt" durch Normanton. Am alten Bahnhof
entdecken wir den historischen "Gulflander Train". Dieser befährt
noch immer die alte Bahnlinie von Normanton nach Croydon. Im Stadtzentrum
kann man eine Replik von "Krys", dem weltweit grössten je gefangenen
Salzwasserkrokodil bewundern. Mit einer Länge von 8,60 Meter und 2
Tonnen Gewicht ein wahrer Prachtkerl. Wenige Kilometer vor dem Ortseingang
befindet sich der Abzweig zu der 35 Kilometer langen, rotstaubigen Gravel
Road Richtung Westen. Diese führt zum Camp 119 der berühmten
Australienforscher Burke and Wills. Nach einer Stunde überqueren wir
den "Little Bynoe River". Ein Hinweisschild warnt bereits vor den gefährlichen
Salzwasserkrokodilen. Durch dichtes Buschwerk, gespickt mit tiefen Bulldustlöchern,
welche man im Voraus kaum erahnen kann, erreichen wir das historische Camp.
Ein Gedenkstein erinnert dort an die letzte Expedition der beiden Forscher.
Auf dem Rückweg entdecken wir einige Brolga Cranes, riesengrosse graue
Kraniche mit rot geflecktem Kopf. Unweit davon sitzt ein Schwarm schwarzer
Kakadus in den Bäumen. Auf der Weiterfahrt über die Gulf Developmental
Road nach Croydon fahren wir ein Weilchen gemächlich neben dem Gulflander
Zug her. Ab Croydon wird die Landschaft langsam wieder etwas hügeliger.
Am Strassenrand liegen wieder in regelmässigen Abständen unzählige
tote Kangaroos. In Mount Surprise angekommen, finden wir nach längerem
Suchen einen versteckten Campground direkt hinter einer BP-Tankstelle.
Der Besitzer, ein ehemaliger GSG 9 Beamter, wie er uns versichert, weisst
uns mit kurzen eindeutigen Kommandos einen Platz in unmittelbarer Nähe
der Ponystallungen zu. Jason und Mary aus Sydney, unsere Campnachbarn,
laden uns spontan auf ein paar Bierchen und Chips zu sich ein. Die beiden
sind, wie sich herausstellt noch bis Dezember quer durch den australischen
Kontinent unterwegs.
Nach einem
fantastischen Sonnenaufgang geht es nun weiter zu den Undara Lava-Tubes.
Riesige unterirdische Röhren bilden ein 160 Kilometer langes Tunnelsystem.
Entstanden vor 190.000 Jahren nach der Explosion des Undara Kraters, gilt
es heute als das grösste Lavatunnel-System der Erde. Termitenhügel
durchziehen die spärliche Buschlandschaft. Ein kurzer Track hinauf
zum "Bluff Lookout" entlohnt uns mit einer atemberaubenden Aussicht. Über
den Kennedy Highway gelangen wir schliesslich in die Atherton Tablelands.
Das hügelige Hochplateau besticht durch leuchtende sattgrüne
Weiden. Kaum zu glauben, dass diese Gegend früher einmal aus undurchdringlichem
Regenwald bestand. Nach einer endlosen Fahrerei über enge kurvenreiche
Strassen gelangen wir zu einem der wohl schönsten Wasserfälle,
den Milla Milla Falls. Weiter geht es jetzt nach Marreeba. Das Schlackern
in der Lenkung wird nun immer heftiger und erfordert volle Konzentration
beim Abbremsen auf den steilen Abfahrten. Im Laufe des Nachmittags erreichen
wir die idyllische Ortschaft Kuranda in den Bergen des Regenwaldes. In
den letzten Jahren hat sich Kuranda zu einer wahren Touristenattraktion
entwickelt, zu der sich aber eine Tagestour von Cairns mit der Scenic Railway
oder der Skyrail dennoch lohnt. Abends um sieben finden wir keinen freien
Platz mehr in Cairns. Da auch auf dem "First City Caravanpark" alles total
ausgebucht ist, bietet man uns eben einen Platz in der Einfahrt an.
> Burke
Develop. Road |
> Burke
& Wills Roadhouse |
> Burke
Develop. Road |
> Normanton
- Purple Pub |
> Camp 119 |
Heute müssen
wir also unbedingt in die Werkstatt um die Räder des LandCruisers
auswuchten zu lassen. Bei TCC's Vertragspartner Bridgestone nimmt man sich
der Sache auch sofort an. Die fehlenden 180 Gramm an Bleigewichten erklären
somit auch das überaus starke Vibrieren in der Lenkung. Da es noch
früh am Vormittag ist, bleibt uns noch genügend Zeit für
einen gemütlichen Tag in Cairns. Als Touristen-Mekka verschrien, bietet
Cairns mit seinen 100.000 Einwohnern dennoch alle Annehmlichkeiten für
einen entspannten Aufenthalt. Cairns ist zudem auch idealer Ausgangspunkt
für Tagestouren zum Great Barrier Reef und Ausflüge in die Bergregionen
des nahe gelegenen Regenwaldes. Nachmittags machen wir uns auf die Suche
nach einem besseren Campground und werden mit dem "Coconut Caravanpark"
auch recht schnell fündig.
Morgens in
der Campkitchen lernen wir ein nettes Schweizer Paar kennen. Die zwei kamen
etwas später als wir in Sydney an. Scheinbar wurde es dort zwischenzeitlich
noch etwas kälter. Die beiden haben so sehr gefroren, dass sie sich
drei Tage krank in ein Hotel einquartieren mussten. Heute fahren wir weiter
Richtung Norden. Einige Kilometer ausserhalb von Cairns machen wir einen
Zwischenstopp beim "Tjapukai Aboriginal Theater". Da wir vor Jahren schon
einmal hier waren, schauen wir nur kurz im Souvenirshop vorbei. Über
die kurvenreiche Küstenstrasse kommen wir schnell nach Port Douglas.
Traumhafte kilometerlange Sandstrände lassen nie den Eindruck einer
Touristenhochburg aufkommen. Weiter nördlich setzen wir am Daintree
River mit der Kabelfähre zum "Daintree National Park" über. Eine
enge kurvenreiche Strasse führt von nun an tief in den Regenwald.
Weiter geht es zum Cape Tribulation. Der Nationalpark steht auf der UNESCO-Liste
des Weltnaturerbes der Menschheit. Traumhaft lange menschenleere Sandstrände
finden wir hier vor. Hinter uns liegt dichter Regenwald und vor uns ist
das Riff zum Greifen nahe. Der Campground befindet sich nur ein paar Meter
weiter auf einer kleinen Lichtung mit direktem Zugang zum Meer und kostet
30 Dollar. Das Trinkwasser bezieht man hier aus einer riesigen Regentonne.
Von den Berghängen ziehen unaufhaltsam dichte Nebelschwaden hinunter.
Nach Einbruch der Dunkelheit sitzen wir noch gemütlich bei einem Glas
Wein unter der Zeltplane zwischen den Palmen. Im Lichtkegel unserer Taschenlampe
entdecken wir einige Possums die sich über die Essensreste der Campnachbarn
hermachen.
> Little
Bynoe River |
> Normanton
- Railway |
> Undara
- Road Sign |
> Milla
Milla |
> Milla
Milla Falls |
Über
dem Regenwald verziehen sich allmählich die Regenwolken. Die Gravel-Road
führt nun weiter Richtung Cooktown. Schon nach wenigen Kilometern
beginnt der legendäre Bloomfield Track. Durch dichtes Waldgebiet führend,
bildet dieser Track immer noch die kürzeste Verbindung zur Küstenstadt
Cooktown. Alsbald folgen dann mehrere Creeks mit Wassertiefen um die 0,5
Meter, die es zu meistern gilt. Durchsät mit schroffen Steinen entspricht
solch eine Durchquerung eher einer Fahrt über ein Geröllfeld.
Der erste imposante Anstieg mit 20 Prozent folgt hinauf zur Donovan Range.
Vorsorglich legen wir schon vorher die Allraduntersetzung "Low Gear" ein.
Den Climb meistert der LandCruiser allerdings mit Bravour. Danach schlängelt
sich der Track genauso steil hinab zum Collins Creek. Auch der weitere
Verlauf der Strecke sollte es in sich haben. Um über die Cowie Range
zu gelangen, muss zuvor erst einmal ein 33 prozentiger Anstieg überwunden
werden. Die Feuchtigkeit der letzten Nacht begünstigt nicht gerade
die Traktion der Räder. Mit "Low Gear" im erstem Gang müht sich
unser Toyota langsam den Berg hinauf. Ein Umschalten in den zweiten Gang
ist nun fast nicht mehr möglich, da man während des Schaltvorgangs
eher wieder zurückrollen würde. Das Gefühl rückwärts
zu kippen ist daher allgegenwärtig. So wie man hochfährt, sollte
man auch wieder bergab fahren. Das hohe Gewicht des Fahrzeugs schiebt gewaltig
auf die Vorderräder. Auf der abschüssigen und teilweise schmierigen
Piste finden sich zwischendurch immer wieder grandiose Ausblicke auf den
tropischen Regenwald und die weitgezogene Küstenlandschaft. Nach 32
Kilometer erreichen wir den Bloomfield River. Dieser führt immer noch
mächtig Wasser, ist aber auf Grund eines betonierten Causeways recht
gut zu durchfahren. Auf der gegenüber liegenden Seite befindet sich
auch schon die Aboriginal Community Wujal Wujal. Die Strecke ist von nun
an durchsetzt mit groben Steinen und tiefen Schlaglöchern und lässt
deshalb nur ein Stundenmittel von nicht einmal 30 Stundenkilometern zu.
Nach 80 Kilometern mündet der Bloomfield Track in die Developmental
Road. Die letzten Kilometer führen vorbei an den Black Mountains,
einer Felsformation, welche an eine riesige Kohlenhalde erinnert. Der Mythos,
wonach hier schon Leute spurlos verschwunden sind, lässt auch uns
nicht ganz unbeeindruckt. Nach dreieinhalb Stunden erreichen wir endlich
das malerisch verschlafene Küstenstädtchen Cooktown. Benannt
ist die Ortschaft nach Captain James Cook, der 1770 mit seinem Schiff "Endeavour"
hier an Land ging. Cooktown war während des Goldrauschs die zweitgrößte
Stadt Queenslands. Historische Gebäude zeugen noch heute von einer
ruhmreichen Vergangenheit. Die Temperaturen klettern jetzt auf die 30 Grad
Marke. Vom Strand aus beobachten wir die Coast Guard beim Bergen eines
gesunkenen Schiffs. Zur Mittagszeit genehmigen wir uns Fish and Chips in
einem kleinen Restaurant mit herrlichem Ausblick auf das türkisblaue
Wasser. Danach wird es für uns Zeit aufzubrechen. Wir folgen der Inland-Route
Richtung Süden über die teilweise raue Cooktown Developmental
Road nach Lakeland. Diese mündet hier in die Peninsula Developmental
Road. Unterwegs findet sich ein höhergelegener Lookout mit herrlichem
Ausblick auf die Sussex Ranges. Von Port Douglas an zieht sich eine tropische
Regenfront nach Süden bis Cairns. Der Tag wird urplötzlich zur
Nacht - heftige Sturmböen peitschen von nun an über die kurvenreiche
Küstenstrasse hinweg. Ohne noch lange in Cairns nach einem günstigeren
Campground umhersuchen zu müssen, entscheiden wir uns kurzentschlossen
wieder für den "Coconut Caravanpark".
> Cairns |
> Daintree
- Myall Beach |
> Daintree
- Campsite |
> Bloomfield
Track |
> Bloomfield
Track |
Am Morgen
regnet es noch immer ununterbrochen. Heute wollen wir noch weiter nach
Süden bis nach Airlie Beach. Unterwegs halten wir an einem der zahlreichen
Obststände. Das Kilo Bananen kostet gerade mal einen Dollar. Diese
sind zwar etwas kleiner, dafür aber umso süsser. Die Fahrt nach
Airlie Beach fängt uns nun langsam an zu frustrieren. Der Scheibenwischer
läuft bereits seit mehreren Stunden auf höchster Stufe. Zu allem
Überfluss sind dann auch noch alle Plätze in dem kleinen Küstenort
ausgebucht. Uns bleibt also nichts anderes übrig, als uns ein Cabin
für 80 Dollar zu mieten. Irgendwie haben wir jetzt auch genug vom
Regen und sind deshalb auch ganz froh mal wieder ein richtiges Dach über
dem Kopf zu haben.
Der Morgen
danach sieht auch nicht viel besser aus. Immer noch drücken dunkle
Regenwolken von den Berghängen hinunter auf die malerische Küstenlandschaft.
An der Strasse nach Shute Harbour liegt der "Barefoot Bushman Wildlife
Park" von Rob Bredl. Dieser wurde bei uns bekannt durch die TV-Dokuserie
"Killer Instinkt". Allerdings ist der Park auf unbestimmte Zeit geschlossen
- "Closed since 11. July.....". Wir fahren nun also weiter Richtung Rockhampton.
Das Zentrum der "Beef Capitol of Australia" besteht aus vielen gut erhaltenen
historischen Gebäuden. Plötzlich einsetzende Regenfälle
machen uns allerdings auch hier erstmal einen Strich durch die Rechnung.
Heute schaffen wir es noch bis Miriam Vale südöstlich von Gladstone.
Zwischenzeitlich hat es sogar wieder aufgehört zu regnen. Der Campground
kostet 20 Dollar und befindet sich hinter der Tankstelle an der Durchgangsstrasse.
Gegen sieben
Uhr früh geht es schon wieder weiter. Im dichten Bodennebel entdecken
wir auf einer Lichtung eine Gruppe Kangaroos. Unser nächstes Ziel
ist heute Hervey Bay - Ausgangsort für die Überfahrt nach Fraser
Island. Die Fahrt auf die Insel von Hervey Bay aus muss man allerdings
reservieren lassen. Die Rückfahrt nach Rainbow Beach ist ohne Reservierung
möglich (wenn man nicht gerade die letzte Fähre nimmt). Der Preis
liegt bei 80 Dollar hin und zurück. Camping und Fahrzeugpermit machen
zusammen noch mal 41 Dollar. Das Ticket gibt es allerdings erst an der
Ablegestelle in Riverheads. Um 14:30 Uhr geht es dann endlich los. Die
Überfahrt dauert etwa 45 Minuten. Auf der Insel angekommen lassen
wir zuerst die Luft aus den Reifen ab. 25 Bar sollten erstmal genügen
um eine bessere Traktion im tiefen Sand zu haben. Die Insel besteht hauptsächlich
aus tiefen Sandtracks, welche an steilen treppenartigen Anstiegen zusätzlich
mit dicken Gummimatten verstärkt sind. Unser erstes Ziel heute ist
der Lake McKenzie im Inneren der Insel. Das Wasser des Süsswassersees
wird vom weissen Sand gefiltert und gilt als das Sauberste der Welt. Das
Wasser ist so glasklar, dass man beim Schwimmen seinen eigenen Schatten
auf dem weissen Grund erkennen kann. Langsam wird es nun dunkel. Zur Central
Station sind es jetzt immerhin noch 15 Kilometer durch den tiefen Sand,
was einer Fahrzeit von gut 45 Minuten entspricht. Unweit der Station befindet
sich im dichten Wald auch gleich eine Campingmöglichkeit. Unzählige
Vogelarten verleihen dem dichten Dschungel lautstark in eine mitunter gespenstische
Atmosphäre. Zum Barbecue muss allerdings der Gasgrill herhalten, da
offenes Feuer in diesem Gebiet nicht erlaubt ist. Mittlerweile ist es stockdunkel
und absolut ruhig. Nur noch vereinzelt sind für uns undefinierbare
tierische Laute aus dem stockfinsteren Wald zu hören. Bei einem ihrer
nächtlichen Streifzüge macht Andrea die Bekanntschaft mit einem
Dingo. Aufgeschreckt vom Lichtkegel der Taschenlampe sucht dieser fluchtartig
das Weite im Unterholz.
> australia
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