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Morgens um sieben machen wir uns auf den Weg zu den kilometerlangen weissen Sandstränden in der Umgebung von Cervantes. Surfer schätzen diese Küstenregion wegen der guten Windverhältnisse. Einsetzender Dauerregen veranlasst uns aber schon nach einer Stunde zum Abreisen. Aber was soll's - vielleicht wird das Wetter im Süden wieder besser. Nach einiger Zeit kommen wir jedoch zu einem schweren Verkehrsunfall. Ein auf der Fahrbahn liegender Stein zwang einen herannahenden Ford Falcon mit Wohnanhänger zu einem plötzlichen Ausweichmanöver. Der Fahrer verlor dabei die Kontrolle über sein Fahrzeug und landete letztendlich in einer Böschung. Der Falcon war natürlich Schrott, genauso auch der Trailer. Dieser landete direkt auf einem Ameisenhäufen. Durch die aufgerissene Seitenwand machen sich Hunderte von "Bull Ants" ins Innere des Wohnanhängers. Nun erhält auch unsere "Winch" (Seilwinde) erstmals ihre Daseinsberechtigung. Nach nur wenigen Minuten haben wir das Gespann wieder auf den Seitenstreifen gezogen. Die Formalitäten erledigt der inzwischen aus Cervantes herbeigerufene Police Officer. Nach 200 Kilometer folgen wir dem "Turn Off" ins Avon Valley. Weinanbau und Schafzucht prägen von nun an das Bild dieser landschaftlich durchaus reizvollen Region. Gut erhaltene Häuser zeugen heute noch von der Atmosphäre der Pionierzeit. Am frühen Nachmittag gelangen wir östlich von Perth zur Ortschaft Northam. In der Stadtbibliothek können wir jetzt erstmals wieder ins Internet. Eine e-mail von Cathy und Russel befindet sich im Posteingang mit einen detailierten Lageplan ihres Camps nördlich von Kalgoorlie. Uns bleiben jetzt also noch zwei Tage Zeit. Plötzlich einsetzender Regen mit einem Temperatursturz auf kühle 10°C veranlassen uns zu einer Übernachtung auf dem Caravan Park. Für 66 Dollar erhalten wir einen luxuriösen, vollausgestatteten Trailer mit TV, Clubsesseln und einem Heizstövchen. Telefonisch versuchen wir am Abend Kontakt mit Russel aufzunehmen. Nach mehreren missglückten Versuchen ihn über sein Satellitentelefon zu erreichen, brechen wir die Sache schliesslich ab.
 
Russel's Grader
> Russel's Grader
Cathy and Hans-Peter
> Cathy and Hans-Peter
Russel
> Russel
Cathy, Andrea and Bill
> Cathy, Andrea and Bill
Snake Hill
> Snake Hill

Mit zwei vollen Tanks machen wir uns zum Sonnenaufgang auf den Weg nach Osten. Vor uns liegen noch 550 Kilometer durch die weite fruchtbare Ebene Westaustraliens. Kleinere verschlafene Ortschaften wie Merredin und Southern Cross laden zu einem kurzen Aufenthalt ein. Über den parallel zur Eisenbahnlinie führenden Great Eastern Highway gelangen wir mittags zur Goldgräberstadt Kalgoorlie. Zahlreiche gut erhaltene Gebäude aus der Zeit des Goldrauschs prägen das Bild der 26.000 Einwohnerstadt. In der Hannan Street befindet sich seit geraumer Zeit eine Webcam. Grund genug für einen kurzen Telefonanruf bei Inka und Heinzjörg in Pforzheim. Aus dem entfernten Deutschland können sie uns nun live an der Kreuzung vor dem "Exchange Hotel" sehen. Nach einem ausgedehnten Stadtbummel sollten wir jetzt allerdings weiter nach Menzies fahren, wo uns Cathy und Russel sicherlich schon erwarten. Vorbei an den hell erleuchteten Türmen der Goldminen erreichen wir nach 130 Kilometern mit den letzten Sonnenstrahlen Menzies. Die 200 Einwohner zählende ehemalige Goldgräberstadt scheint jedoch wie ausgestorben - keine Menschenseele ist auf der Strasse zu anzutreffen. Von hier aus sind es jetzt noch weitere 30 Kilometer nach Westen. Eine schlammige Piste führt tief hinein in die mittlerweile stockdunkle Buschlandschaft. Wieder einmal ist höchste Vorsicht geboten, denn im schwachen Scheinwerferlicht sind die Kangaroos auf der Piste kaum auszumachen. Nach 45 Minuten Fahrzeit gelangen wir schliesslich zu einer unscheinbaren Kreuzung. Ganz in der Nähe soll sich also Russel's Camp befinden. Na toll – jetzt stehen wir hier in der Dunkelheit inmitten des menschenleeren australischen Outbacks. Aber in welche Richtung geht's nun weiter? Nach einiger Zeit entdecken wir abseits der Piste im dichten Unterholz ein unscheinbares Licht. Das kann eigentlich nur das Camp sein. Erleichtert werden wir von Cathy und Russel in Empfang genommen, denn auch sie haben erst vor knapp einer halben Stunde das Camp hierher verlegt. Bill ist natürlich auch wieder dabei und sogar ihre Tochter Monica ist zu Besuch aus Perth angereist. Neben den Trucks steht ein riesiger komfortabler Wohncontainer in dem es an nichts zu fehlen scheint. Bill hat inzwischen das Campfire entfacht, während die Bordercollies "Ally" und "Dafney" wie bekloppt im roten Staub umherjagen. Nach einem fantastischen BBQ verbringen wir gemütlich den langen Abend am wärmenden Lagerfeuer.

Die letzte Nacht im Outback war wirklich saukalt. Hier können die Temperaturen nachts schon mal auf die Null Grad Marke absinken. Russel hat inzwischen Feuerholz auf die restliche Glut geworfen. Bei einer heissen Tasse Kaffee stehen wir alle um das Feuer herum um uns aufzuwärmen. Nach einem deftigen Breakfast mit Bacon, Eggs und Toast vom Grill ruft nun allerdings die Arbeit. Wir dürfen heute Russel's riesige "Caterpillar-Grader" (Planierfahrzeuge zum Abtragen von Strassenbelag) fahren. Es ist schon ein herrliches Gefühl mit diesen monströsen Fahrzeugen die australischen Sandpisten "plattzumachen". Nach getaner Arbeit führt uns Russel zu einer verlassenen "Ghost Town". In den zerfallenen Häusern entdecken wir sogar noch uralte "Wills Cigarettes" Blechdosen. Durch dichtes Buschwerk geht’s nun weiter zum "Snake Hill". Von diesem kleinen Hügel hat man einen herrlichen Ausblick auf den ausgetrockneten "Lake Ballard". Fünfzig Stahl-Skulpturen des englischen Künstlers Antony Gormley ragen wie schwarze Pfähle aus dem roten Salzsee hervor. Zum Lunch finden wir uns am Nachmittag wieder im Camp ein. Es gibt Oyster, Crabs, Salmon, Ananas und Melone – irgendwie untypisch für's Outback. Noch vor Einbruch der Dunkelheit heisst es nun aber leider wieder Abschied nehmen, denn in drei Tagen geht schon unserer Rückflug von Perth. Wir verlassen nun wieder Cathy und Russel und machen uns auf den Weg zum Caravan Park ins 160 Kilometer entfernte Kalgoorlie.
 
Snake Hill - Monica, Russel, Cathy and Andrea
> Snake Hill
Monica at Lake Ballard
> Monica at Lake Ballard
Sculptures at Lake Ballard
> Lake Ballard
Superpit Gold Mine - Kalgoorlie
> Superpit - Kalgoorlie
Perth
> Perth

Bevor wir heute nach Westen weiterfahren, müssen aber noch wichtige Besorgungen erledigt werden. Im Schuhladen in der Hannan Street ergattern wir das letzte Paar Lammfellstiefel. Dunkelblaue Yakka-Arbeitshemden dürfen natürlich auch nicht fehlen – absolut typisches Erkennungsmerkmal eines jeden Truckers und Minenarbeiters in Down Under. Vor der Rückfahrt besuchen wir allerdings noch die grösste Goldmine Australiens - Kalgoorlies "Superpit". Schürfmaschinen haben sich in eine Tiefe von 330 Metern in die Erde hineingegraben. Die riesigen Trucks wirken in dem drei Kilometer breiten Loch wie winzig kleine Spielzeugautos. Nach einem Besuch des "Royal Flying Doctor Service" verlassen wir nun bei strömendem Regen Kalgoorlie. Die Weiterfahrt über den Great Eastern Highway nach Westen wird zu einer recht feuchten Angelegenheit. Die starken Regenfälle verwandeln das weite Land in eine riesige Seenlandschaft. An vielen Stellen ist die Strasse so stark überflutet, dass man die Fahrbahn nur noch erahnen kann. Nach 500 Kilometern erreichen wir wieder den Caravan Park in Northam. Nach dem heutigen Dauerregen kommt uns der Trailer mit dem Heizstövchen natürlich wieder sehr gelegen. Am Abend bestätigen wir telefonisch unseren Rückflug bei Singapore Airlines und machen gleichfalls noch einen Termin mit Hans zur Rückgabe des Fahrzeugs in Perth aus.

Am frühen Morgen lassen wir das verregnete Northam hinter uns. Nach Perth sind es jetzt nur noch 90 Kilometer. Auf der Fahrt dorthin entdecken wir am Strassenrand ein original "Road Train" Schild. Dieses kennzeichnet normalerweise die überlangen australischen Trucks. Also sofort in die Eisen steigen und Rückwärtsgang rein. Wir können doch so ein wertvolles Souvenir nicht einfach liegen lassen. Bei der Ankunft in Perth kommt endlich die Sonne wieder zum Vorschein. Der Swan River führt allerdings noch mächtig Hochwasser. Überschwemmte Strassenzüge am Riverside Drive sind weiträumig für den Verkehr gesperrt. Vom Parkplatz in der Nähe des "Swan Bells Towers" gelangt man schnell zu einem Einkaufsbummel in die City. Bei herrlichem Sonnenschein bleibt uns jetzt noch genügend Zeit für allerletzte Besorgungen. Da morgen leider unser Abflugtag ist, sollten wir heute noch den Toyota einer gründlichen Wäsche unterziehen. Auf dem Parkplatz des "Inter City Motel" im Stadtteil Belmont reicht es allerdings nur zur Innenreinigung, denn plötzlich aufkommende orkanartige Regenfälle machen dem Putzen ein schnelles Ende. Eine letzte Herausforderung steht uns heute aber noch bevor – denn Unmengen an Souvenirs müssen platzsparend in den Rucksäcken verstaut werden. Nach zwei anstrengenden Stunden haben wir es endlich geschafft. Alles ist drin und gut verpackt - sogar das "Road Train" Schild hat noch Platz gefunden. Nach einem tollen Abendessen geniessen wir den letzten Abend in Perth.

Um sechs Uhr ist heute Wecken angesagt. Draussen scheint sogar schon wieder die Sonne. Ein letztes ausgiebiges "Big Breakkie" im Restaurant des Motels sollte in den nächsten Stunden kein Hungergefühl aufkommen lassen. Die Feuchtigkeit der letzten Tage ist allerdings an unserem LandCruiser nicht spurlos vorübergegangen. Ausgerechnet jetzt ist die Batterie leer – und das knapp drei Stunden vor dem Abflug. Ein kurzer Anruf bei TCC in Perth genügt - kurze Zeit später erscheint Hans vor dem Motel um uns Starthilfe zu geben. Gemeinsam fahren wir nun über den Tonkin Highway zu seinem Office. Die Fahrzeugübergabe und Formalitäten sind dann auch recht schnell erledigt. Mit seinem Auto bringt er uns rechtzeitig zum nahegelegenen International Airport am Great Eastern Highway. Nach 37 Tagen und 13.700 Kilometern endet hier nun unsere fünfte Australien Tour. Eine Stunde später sitzen wir bereits in der startbereiten Maschine nach Singapore.
 

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