Nach einer
kühlen Nacht funkeln die ersten Sonnenstrahlen durch das nasse Gras.
Aufdringliche Mücken veranlassen uns das Frühstück zu verschieben.
Auf der Weiterfahrt begegnen uns wieder unzählige Kangaroos entlang
der Piste. Unbekümmert nähern sie sich bis auf wenige Meter unserem
Fahrzeug. Zurück am "Pardoo Roadhouse" wird das Frühstück
aber schnellstens nachgeholt. Bilder an den Wänden des Restaurants
zeugen von verheerenden Buschbränden und unvorstellbaren Überflutungen
in dieser Region. Nach gut zwei Stunden erreichen wir nach 150 Kilometern
die Hafenstadt Port Hedland. Sie dient uns als Durchgangstation für
die östlich gelegene Pilbara Region. Diese erstreckt sich vom North
West Cape bis hin zu den Kimberleys. Nochmals eine gute Gelegenheit um
unsere Lebensmittelvorräte wieder aufzufüllen. Die Vegetation
wird nun zusehends immer karger. Wüstenähnliche Abschnitte mit
vereinzelten Termitenhügeln stehen im Wechsel zu dürren Graslandschaften.
Die Strecke führt durch einen der abgelegensten Landstriche des fünften
Kontinents. Unterwegs begegnen uns mächtige überbreite Schwertranporte,
die ihrem Namen wirklich alle Ehre machen. Hierbei wird der ganze Verkehr
über Ausweichbuchten umgeleitet. Nach weiteren 300 Kilometern nähern
wir uns dem "Auskie Roadhouse". Roter Staub fegt über die leeren Strassen.
Ausser dem Roadhouse mit angrenzendem Caravan Park hat es hier wahrlich
nicht allzuviel. Ideal also für einen Waschtag auf dem Campground.
Hier lernen wir auch Mike und Ridley aus Sydney kennen. Sie wollen am nächsten
Tag mit ihrem Range Rover weiter in die Pilbara Region fahren. Dort befinden
sich die reichhaltigsten Eisenerzvorkommen der Welt. Direkt neben uns haben
sich ein paar ziemlich verwegen aussehende Typen mit langen Bärten,
zerschlissenen Hüten und verstaubten Klamotten ihr Camp aufgeschlagen.
Ihr Anblick allein genügt schon um das Blut in den Adern gefrieren
zu lassen. Abends am Lagerfeuer stellt sich heraus, dass sie für ein
Strassenbauunternehmen arbeiten. Nach einigen Dosen VB (bekannte australische
Biermarke aus Victoria) bietet uns der Chef der Truppe sogar einen Job
an.
> Monkey
Mia |
> Monkey
Mia |
> Kalbarri
NP |
> Kalbarri
NP |
> Kalbarri
NP |
Morgens um
fünf liegen die Jungs noch in ihren Swags am Lagerfeuer, während
wir schon unser Frühstück zubereiten. Nicht weit von hier befindet
sich der "Karijini Nationalpark". Die Eintrittsgebühr von acht Dollar
ist per Selbstregistrierung zu entrichten. Einen ersten interessanten Einblick
vermittelt das Visitor Center am Anfang des Nationalparks. Der Weg führt
ab hier über staubige Pisten in eine raue aber zugleich spektakuläre
Naturlandschaft. Rostbraune Hügel an der Strecke, bewachsen mit Gras
und dürren Büschen, dahinter ein tiefblauer Himmel mit weißen
Wolken - in "Karijini" greift die Natur wahrlich tief in die Farbpalette.
Steil abfallende Hochplateaus gewähren eine atemberaubende Aussicht
auf das verzweigte Schluchtensystem. Den besten Blick auf die Schluchten
hat man vom "Oxers Lookout". Hier treffen sich "Weano", "Joffre" und "Hancock
Gorge". Diese drei Schluchten bilden zusammen die "Red Gorge". Die Temperaturen
klettern hier gerne mal auf weit über 40°C. Etwas kühler
ist es dagegen tief unten in den Schluchten. Steile schweisstreibende Abstiege
führen hinab entlang der Wasserfälle. Diese speisen die vielen
kleinen Pools, welche natürlich zu einem erfrischenden Bad einladen.
Irgendwann treffen wir auch Mike und Ridley wieder. Sie wollen heute noch
weiter nach Newman. Noch vor Einbruch der Dunkelheit finden wir in der
"Weano Area", einen gemütlichen Platz zum Übernachten. Offenes
Feuer ist allerdings in diesen heissen Tagen auf Grund von Buschbrandgefahr
nicht erlaubt. Unter einem hell erleuchteten Sternenhimmel, den wahrscheinlich
nur das australische Outback bieten kann, erkennen wir deutlich das "Southern
Cross". Die nach Süden weisende Sternenkonstellation ziert zugleich
auch die Flagge Australiens. Direkt über uns ist die Milchstraße
nun in ihrer vollen Pracht zu sehen.
Nach einer
empfindlich kühlen Nacht erfreuen wir uns nun an den ersten wärmenden
Sonnenstrahlen. Versteckt im hohen Spinifexgrass beobachten uns drei Kangaroos
aus sicherer Entfernung. In den Vormittagsstunden verlassen wir den "Karijini
Nationalpark". Wenige Kilometer vor der Bergwerksstadt Tom Price befindet
sich auf einer Anhöhe ein aufgestapelter Steinhaufen. Hier kann jeder
zum Gedenken an die Verstorbenen handbemalte Steine niederlegen. Am Ortseingang
von Tom Price steht zur Begrüssung einer dieser riesigen "Lectra Hull"
Monstertrucks, welche zum Abtransport von Eisenerz in den Minen eingesetzt
werden. Tom Price wirkt auf den ersten Blick wie eine Oase im roten staubigen
Outback. Grosszügig angelegte Grünanlagen erinnern eher an einen
Golfplatz, denn an eine Minenstadt. Im Zentrum befindet sich auch ein gut
sortiertes Shopping Center. Corollas, die australischen Spassvögel
sind anscheinend nur darauf bedacht, den Leuten in den Strassencafes einen
Streich zu spielen. Da kommt es schon mal vor, dass einer dieser Vögel
mit einer Milchtüte im Schnabel durch die Strassen fliegt und sie
über den Köpfen der Passanten fallen lässt. Ausserhalb der
Stadt befindet sich ein idyllischer Campground am Fusse des Mount Nameless.
Bergarbeiter aus der "Hamersly Iron Mine" haben hier für Jahre eine
günstige Unterkunft gefunden. Zum Sonnenuntergang sammeln sich mal
wieder die Kakadus in den Bäumen zu einem lautstarken Abendkonzert.
> Nature's
Window |
> Kalbarri
NP |
> Kalbarri |
> Cape Keraudren |
> Pinnacles |
Die ersten
morgendlichen Sonnenstrahlen erleuchten feuerrot die umliegenden Berge.
Einer dieser kilometerlangen, mit Eisenerz beladenen Güterzüge
hat uns schon früh aus den Träumen gerissen. Vor uns liegen heute
690 Kilometer nach Carnarvon am Indischen Ozean. Wenn man Glück hat,
kommt einem auf dieser Strecke alle Stunde mal ein Fahrzeug entgegen. Der
Blick über die weite Ebene reicht bis zum Horizont. Meterhohe rote
Sanddünen bieten etwas Abwechslung im fast menschenleeren Outback.
Nach 380 Kilometer Gravelroad gelangen wir am "Nanutarra Roadhouse" schliesslich
wieder auf den Great Northern Highway. Im Laufe des Nachmittags erreichen
wir bei hochsommerlichen Temperaturen die Küstenstadt Carnarvon. Viele
gut erhaltene historische Gebäude prägen das Stadtbild. Grosse
Obst-und Gemüseplantagen erstrecken sich endlos entlang der Küste.
In der Nähe des "Wintersun Caravan Parks" befindet sich auch der Supermarkt
in dem wir vor vier Jahren Harry kennengelernt haben. Vielleicht haben
wir diesmal wieder das Glück und treffen ihn beim Einkaufen. Starke
Regenfälle sorgen in der Nacht für etwas Abkühlung. Eine
willkommene Wohltat nach all der Hitze der letzten Tage.
Die ganze
Nacht hindurch hat es nun geregnet. Der Platz steht jetzt vollkommen unter
Wasser. "It's nice a little bit of rain", meint eine Frau im buntem Morgenrock.
Auf der "Sydney II Memorial Avenue" befinden sich Hunderte von Gedenktafeln
für die Toten des im 2.Weltkrieg gesunkenen australischen Kriegsschiffes.
Unser nächstes Ziel heisst heute Monkey Mia an der Shark Bay. Auf
der Strecke Richtung Süden legen wir am berühmten "Overlander
Roadhouse" eine Pause ein. Zeit für ein ausgiebiges Frühstück
mit Bacon, Eggs und Steaks. Hier treffen wir auf zwei Schweizer die mit
ihrem umgebauten LandCruiser nach Norden unterwegs sind. Unmittelbar am
Roadhouse führt ein Abzweig nach Westen über eine Landzunge nach
Denham. In einer der weit gesäumten Buchten der Shark Bay liegt der
berühmte "Shell Beach". Dieser besteht aus einer drei bis vier Meter
dicken Schicht aus kleinsten Muscheln. Im Laufe des Nachmittags gelangen
wir schliesslich nach Monkey Mia. Der kleine Zeltplatz ist heute allerdings
total ausgebucht. In der Parking Area finden wir aber dennoch einen freien
Parkplatz zum Übernachten. Freilaufende Emus stolzieren ohne jegliche
Scheu zwischen den geparkten Autos umher. Während eines ausgedehnten
Spaziergangs am Stand entdecken wir im seichten Wasser erstmals kleine
Haie und Rochen. Von den Delfinen ist aber heute leider nichts zu sehen.
Na dann eben erst morgen früh zur Fütterung.
Schon sehr
früh kriechen wir aus unseren Schlafsäcken. Rote Wolkenbänder
überziehen den Himmel über der Shark Bay. Als wir uns dem Strand
nähern, erkennen wir schon von Weitem die ersten Delfine. Von all
den Touristen ist zu dieser frühen Stunde noch niemand zu sehen. So
haben wir die Flippers fast eine Stunde ganz für uns alleine. Gegen
7:30 Uhr erscheint dann allerdings die Rangerin – und mit ihr dann auch
die ganzen Touris. Jetzt erfahren wir auch die Namen der Delfine. Kea heisst
also die Wilde, die uns im Wasser fast versenkt hätte. Nicki, das
fünf Monate alte Delfine Baby traut sich nun auch ganz nah an die
aufgereihte Schar von Zuschauern. Auch ein seit längerer Zeit verschollener
Delfin erscheint heute erstmals wieder zur Fütterung. Auf der Rückfahrt
legen wir noch einen kurzen Stop am "Hamelin Pool" ein. Die dortigen Stromatoliten
bestehen aus versteinerten Algenablagerungen und zählen zu den ältesten
Lebensformen. Zurück am "Overlander Roadhouse" ist es mal wieder an
der Zeit für ein "Burger a lot", einen dieser mächtigen und kaum
zu bändigenden Burger mit allem was so drauf passt. Und auf so einen
Aussie-Burger passt bekanntlich einiges drauf - Steaks, Käse, Speck,
Spiegeleier, Rote Beete, Salat, Gurken, Ananas und und und – viel Spass
beim Essen. Am Nachmittag erreichen wir die idyllische Ortschaft Kalbarri
an der Mündung des Murchison River. Ein Campground mit herrlichem
Blick auf die kleine Lagune ist schnell gefunden. Nach dem Einkaufen geht
es ab zum Sonnenuntergang zu den "Coastal Cliffs" südlich von Kalbarri.
An den steil ins Meer abfallenden Klippen erleben wir heute den wahrlich
allerbesten Sonnenuntergang den man sich nur vorstellen kann. Leuchtend
rotviolette Wolkenformationen überziehen den stürmischen Indischen
Ozean - in absolut unvergessliches Ereignis. Zum abendlichen BBQ unter
den Bäumen gesellt sich unser Zeltnachbar Dale aus Melbourne hinzu.
So kommen wir auch unversehens in den Genuss fremder Leute Briefe zu lesen.
Ein Schreiben von seinem Kumpel in Deutschland dürfen wir für
ihn ins englische übersetzen.
> Pinnacles |
> Kalgoorlie |
> Kalgoorlie |
> Dafney
and Ally |
> Menzies |
In den frühen
Morgenstunden machen wir uns nun auf den Weg in den "Kalbarri Nationalpark".
Die Self-Registration kostet neun Dollar. Die ersten Kilometer führen
über eine sandige gelbe Wellblechpiste. "Black Boys" und "Banksias"
säumen den Streckenverlauf. Nach 25 Kilometern gelangt man schliesslich
zum "Loop Trail". Dieser Fussweg windet sich durch die rote Felsenlandschaft
mit Einblick in die tiefen Schluchten. Vom Lookout "Natures Window" hat
man jetzt eine herrliche Aussicht auf das völlig ausgetrocknete Flussbett
des Murchison Rivers. Die Temperaturen übersteigen hier schon in den
Vormittagsstunden locker die 30°C Marke. Achtzehn Kilometer weiter
südlich liegt der Felsüberhang "Rock Lookout" mit grandiosem
Ausblick auf das "Z-Bend" Schluchtensystem. Wären da nur nicht diese
verdammten Flies. Die Fliegen treiben einen beim Fotografieren schier in
den Wahnsinn. Nachdem wir nun alle Bilder im Kasten haben, machen wir uns
auf den Rückweg zur kleinen Ortschaft Kalbarri. Die besten Fischgerichte
gibt’s in der Fish-Bar nahe des Yachthafens. Wir begnügen uns auf
die Schnelle mit einer riesigen Portion Fish and Chips. Vom Internet-Cafe
verschicken wir eine e-mail an Cathy und Russel, damit sie uns in den nächsten
Tagen einplanen können. Da wir gut im Zeitplan liegen, beschliessen
wir spontan noch einen Tag länger hier zu bleiben. Diesmal allerdings
auf dem "Red Bluff" Campground - nur wenige Kilometer südlich der
Ortschaft gelegen. Zum Sonnenuntergang machen wir es uns an der Felsenküste
gemütlich. Angler nutzen noch das letzte Tageslicht, bevor langsam
die Sonne glutrot im Indischen Ozean versinkt.
Der Tag fängt
heute schon mal ganz gut an. Die Batterie hat nämlich über Nacht
einen Abgang gemacht. Die Kontroll-Lämpchen leuchten auch nur noch
ganz schwach und dem Anlasser ist auch nur ein müdes Klicken zu entnehmen.
Eine Starterbatterie muss also schnellstens her. Paul (aus Newcastle in
England) hat unser Missgeschick sofort erkannt und bietet spontan seine
Hilfe an. Doch trotz Starthilfe von seinem LandCruiser will unserer einfach
nicht durchdrehen. Nach einer Stunde und einem halben Päckchen Zigaretten
probieren wir es eben mit Starthilfe direkt auf den Anlasser. Das funktioniert
dann auch prompt und die Karre läuft wieder wie ein Uhrwerk. Gegen
zehn Uhr verabschieden wir uns von Paul und machen uns auf den Weg nach
Süden. Wir folgen dem North West Coastal Highway und erreichen gegen
Mittag Geraldton, die zweitgrößte Hafenstadt Westaustraliens.
Vom "Scenic Lookout" hat man einen schönen Ausblick auf die Stadt
und die weite Küstenlandschaft. Weitere 250 Kilometer liegen heute
noch vor uns. Riesige Buschfeuer begleiten uns auf der Fahrt nach Süden.
Schwarze Rauchwolken überziehen das Land und lassen den Tag zur Nacht
werden. Gegen 16:00 Uhr gelangen wir zur kleinen Ortschaft Cervantes, Ausgangspunkt
für einem Abstecher in den "Nambung Nationalpark". Die langsam untergehende
Sonne lässt die meterhohen gelben Kalksteinsäulen inmitten der
Pinnacles-Wüste noch einmal hell erleuchten. Sie zählen zu den
ganz großen Naturwundern des fünften Kontinents. Aufziehende
dunkle Regenwolken verstärken den Kontrast zur gelben Sandlandschaft.
Nach Einbruch der Dunkelheit verlassen wir den Nationalpark wieder und
machen uns auf den Rückweg nach Cervantes. Aufgeschreckte Kangaroos
springen im Scheinwerferlicht aus dem nächtlichen Buschwerk über
die Fahrbahn. Die Gefahr eines Zusammenpralls mit einem Kangaroo ist bei
Dunkelheit weitaus höher als bei Tageslicht. Abseits von Cervantes
bietet sich ein ruhiger Platz am Meer zum Übernachten an. Eine SMS
von Cathy und Russel erreicht uns zu abendlicher Stunde. "Check your e-mail
– send you a message – still in Menzies". Menzies - liegt das nicht in
der Nähe von Kalgoorlie? Na klar – jetzt müssen wir Morgen zuerst
im Internetcafe die e-mail abchecken.
> australia
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