Im Westen
wird es durch die Zeitverschiebung schon um sechs Uhr hell. 107 Kilometer
nördlich von Halls Creek befindet sich am Great Northern Highway eine
kleine unscheinbare Zufahrtsstrasse zum Bungle Bungle Nationalpark. Diese
Strecke ist allerdings nur für Allradfahrzeuge zugängig. Wenige
Meter nach dem Gate zur "Mable Downs Station", zahlen wir an der Selfregistration
27 Dollar für den Nationalpark – neun Dollar pro Person und neun Dollar
für's Auto. Dabei steckt man das Geld in einen Umschlag und versieht
ihn mit der Fahrzeugnummer. Es folgt ein gnadenloser Ritt durch unwegsames
und kurvenreiches Terrain. Teilweise müssen tiefe Wasserfurten durchfahren
werden. Beim Eintauchen schwappt die Bugwelle über die Motorhaube
hinweg. Doch unser LandCruiser meistert all diese Passagen ohne Probleme.
Für die 53 Kilometer zur Rangerstation benötigen wir knapp zwei
Stunden. Der Weg zum Cathedral-Walk führt jetzt weiter über eine
staubige, mit üblen Steinen durchsetzte Piste. Von nun an geht es
nur noch zu Fuss weiter. Durch ein tiefes Labyrinth schlängelt sich
ein Pfad durch die bizarren Sandsteinkuppeln. Nach einer Stunde und brütenden
Temperaturen um die 35°C erreichen wir schliesslich den Cathedral Dome.
Inmitten dieser gigantischen Sandsteinkuppeln befindet sich ein idyllisches
kleines Wasserbecken. Auf dem Rückweg begegnet uns ein schwarzer Goana.
Er scheint aber über unsere Anwesenheit nicht sehr erfreut zu sein
und sucht deshalb schnell das Weite. Wahrscheinlich haben wir ihn beim
Sonnenbaden gestört. In der "Kurrajong Camping Area" finden wir einen
schönen ruhigen Platz unter den Bäumen für die Nacht. Zeit
für ein BBQ auf dem Gasgrill – denn offenes Feuer ist in der Zeit
vom 1. April bis 15. Mai verboten. Langsam tritt die Dämmerung ein.
Hunderte von lärmenden Kakadus suchen sich ihren Schlafplatz in den
Bäumen. Ein wahrlich ohrenbetäubendes Spektakel. Sonnenstrahlen
erleuchten noch ein letztes Mal die senkrechten roten Felswände. Die
einbrechende Dunkelheit bringt schliesslich auch die letzten Kakadus zum
Schweigen.
> Bungle
Bungles |
> Bungle
Bungles |
> Kimberleys |
> Kimberleys |
> Kimberleys |
Morgens um
fünf werden wir wieder lautstark durch riesige Schwärme Kakadus
geweckt. Fünfzehn Kilometer nördlich vom "Kurrajong Camp" liegt
der Zugang zur "Echidna Chasm". Über meterhohe Felsbrocken führt
ein Fussweg in die engen Felsspalten hinein. Palmen ragen zu den
roten Felswänden empor. Der Pfad wird nun zusehends schmaler, stellenweise
weniger als einen Meter breit. Der Himmel ist jetzt kaum noch zu sehen.
Am Ende der Schlucht befindet sich eine senkrechte spektakuläre 300
Meter hohe Wand. Im Laufe des Vormittags verlassen wir die Chasm wieder.
Vorbei an dürren Bloodwoods und Snappy Gums machen wir uns auf den
Rückweg. Noch einmal ist volle Konzentration auf der kurvenreichen
hügeligen Strecke gefordert. Entgegenkommende Fahrzeuge sind erst
im allerletzten Moment auszumachen. Manche Passagen sind so eng, dass eines
der Fahrzeuge in die Büsche ausweichen muss. Sehr gefährlich
wird es, wenn sich zwei Fahrzeuge auf einer Kuppe begegnen und beide in
der Mitte fahren. Dann gute Nacht! Gegen Mittag erreichen wir wieder das
Tor zur Mable Downs Station. Über den Great Northern Highway geht
es jetzt weiter nach Fitzroy Crossing. Der Campground kostet hier allerdings
schon 23 Dollar. Dafür bekommt man aber Unmengen an grünen Käfern,
Heuschrecken und Moskitos gratis dazu.
Nach Tagesanbruch
wollen wir weiter zum 130 Kilometer entfernten Tunnel Creek. Mächtige
Boab Trees am Wegesrand deuten darauf hin, dass wir uns nun in der Kimberley
Region befinden. Teilweise hängen die knorrigen Bäume noch voll
mit Früchten. Das Thermometer übersteigt schon in den frühen
Vormittagsstunden locker die 30° C Marke. Über eine staubige Gravelroad
führt der Weg durch spärlich bewachsenes Buschland. Der Einstieg
zur 800 Meter langen Höhle des Tunnel Creek wird allerdings durch
riesige Felsbrocken erschwert. Durch schmale Felsspalten dringen Sonnenstrahlen
ins Innere und erleuchten das grünschimmerde Wasser. Im schwachen
Lichtkegel unserer Taschenlampe geht es nun in knietiefem Wasser durch
das stockdunkle Tunnelgewölbe. Beim Austieg treffen wir auf zwei Schweizer,
die die gleiche Tour noch vor sich haben. Wieder draussen erkennen wir,
dass sich das Seil unserer Winde am Fahrzeug von der Rolle gezwirbelt hat.
Also erstmal das Seil ausfahren, spannen und neu aufrollen. Bei 40 Meter
Seil eine schweisstreibende Angelegenheit. Von jetzt an sind es nur noch
50 Kilometer zur "Windjana Gorge". Hier hat sich der Lennard River eine
3,5 Kilometer lange Schlucht in die Kalksteinfelsen gegraben. Ein Pfad
verläuft weitgehend im Schatten entlang der schroffen Steilwände.
Süsswasserkrokodile liegen in unmittelbarer Nähe zum Wasser auf
den weissen Sandbänken. Ein Fernsehteam hat sich zu Dreharbeiten mit
ansässigen Aboriginal People im Schatten der Bäume niedergelassen.
Dabei wollen wir auch nicht weiter stören und machen uns wieder auf
den Rückweg. Hier begegnen uns auch die zwei Schweizer wieder. Sie
wollen heute auf der nahegelegenen Camping Area übernachten, während
wir uns auf die letzten 160 Kilometer nach Derby machen. Die ersten 80
Kilometer führen allerdings nochmals über eine holprige Gravelroad.
Dann folgt der Abzweig nach Westen. Von hier ab ist die Piste in einem
hervorragenden Zustand. Wir können es jetzt richtig krachen lassen.
Mit einer kilometerlangen Staubfahne im Rücken fegen wir mit Tempo
120 durch die flache Buschlandschaft. In Derby finden wir auch gleich den
Campground am herrlich gelegenen "King George Sound". Da steht übrigens
auch noch der alte Trailer in dem wir vor vier Jahren übernachten
wollten. Rechtzeitig zum Sunset finden wir uns an der Jetty im Hafen von
Derby ein. Auf dem für Fahrzeuge zugänglichen und weit ins Meer
hineinragenden Steg fahren wir dem Sonnenuntergang entgegen. Glutrot versinkt
die Sonne langsam am Horizont. Jetzt sollten wir aber dringend noch die
Lebensmittelvorräte auffüllen. Im Woolworth am Ortseingang findet
sich alles, was wir für die nächsten Tage so brauchen. Als wir
mit vollgepacktem Einkaufswagen wieder herauskommen ist es zu unserer Überraschung
schon dunkel. Beim Losfahren müssen wir aber feststellen, dass das
Licht am Auto nicht funktioniert. Also erst einmal die Motorhaube auf und
die Kontakte an den Scheinwerfern durchchecken. Scheint aber alles ok zu
sein. Auch die Sicherungen sind alle in Ordnung. Jetzt bleibt uns nichts
anderes übrig, als im Dunkeln die zwei Kilometer ohne Licht zurück
zum Campground zu fahren. Die entgegenkommenden Aussies stören sich
aber an so etwas nicht allzusehr. Im Dunkeln an der Karre rumfuckeln macht
allerdings wenig Sinn, da das Licht unserer Campinglampe letztendlich nur
die Moskitos anlocken würde.
> Malcolm
Douglas |
> Gantheaume
Point |
> Fortescue
Falls |
> Karijini
NP |
> Tom Price |
Nach dem
Frühstück rufen wir zuerst Chris in Sydney an. Vielleicht kann
er uns wegen der Scheinwerfer einen Tip geben. So wie's aussieht hat der
Fuse Link eine Macke. Da wir jetzt sowieso nach Broome weiter wollen, empfiehlt
er uns auch gleich "Peter McWaters Auto Repairs" um das defekte Teil austauschen
zu lassen. Über den Northern Highway erreichen wir nach zwei Stunden
die 6.000 Einwohner zählende Perlentaucherstadt Broome am Indischen
Ozean. Eine Unterkunft für den heutigen Tag ist auch schnell gefunden.
Der Caravan Park liegt unmittelbar an der "Roebuck Bay". Direkt am türkisfarbenen
Wasser gelegen, eingebettet von prächtigen Palmen, dürfte dies
wohl der schönste Platz weit und breit sein. Jetzt sollten wir uns
aber schleunigst um unseren Toyota kümmern. Die uns von Chris empfohlene
Autowerkstatt in der Walcott Street liegt glücklicherweise nur ein
paar hundert Meter von hier entfernt. Peter McWaters, der Chef der Werkstatt,
bestätigt die von Chris' vermutete Fehlerquelle. Im klimatisierten
Office liegen die Wachhunde des Hauses derweil regungslos auf dem kühlen
Steinfussboden. Bei Aussentemperaturen um 35°C nur allzu verständlich.
Nach einer Stunde ist das neue Teil drin. Alles funktioniert wieder prächtig
und die Rechnung geht an Chris. Gegen zwölf Uhr mittags ist es an
der Zeit etwas gegen den einkehrenden Hunger zu tun. In der Innenstadt
gibt's die Riesenportion Fish and Chips schon für acht Dollar. Den
Nachmittag verbringen wir in den historischen Läden von "Chinatown".
Rechtzeitig zum Sonnenuntergang finden wir uns am endlosen weissen Sandstrand
der "Cable Beach" ein. Zurück auf dem Campground fängt es gegen
Abend heftig an zu stürmen. Eine geradezu willkommene Abkühlung.
In der Ferne funkeln die vor Anker liegenden Boote im Mondschein. Die absolute
Postkartenidylle möchte man meinen, wären da bloss nicht die
Moskitos. Mit "Buschman", dem australischen "Autan hoch zehn" besprühen
wir uns von unten bis oben. Allein der Beipackzettel hätte die Stechmücken
schon abschrecken müssen. Es hilft sofort gegen die aufdringlichen
Biester und dem BBQ steht jetzt auch nichts mehr im Weg. Gary, ein weitgereister
Aussie (ist schon seit drei Jahren mit seinem umgebauten Greyhound Bus
unterwegs) gesellt sich spontan zu uns und gibt uns einige Tipps für
die Weiterreise entlang der Westküste. Gegen zehn Uhr abends wird
der Wind allerdings immer heftiger. Die langen Palmwedel schlagen nun ununterbrochen
gegen unser Dachzelt. An Schlaf ist in dieser stürmischen Nacht allerdings
nicht mehr zu denken.
Herrlicher
Sonnenaufgang am Indischen Ozean. Strahlend blauer Himmel soweit das Auge
reicht. Wir beschliessen zum Frühstücken nach Broome zu fahren.
Ein "Big Breakkie" bei "Shady Lane" in Chinatown entschädigt für
die schlaflose Nacht zuvor. Bacon and Eggs, Beans and Sausages bis zum
Abwinken für gerade einmal 27 Dollar. Besser kann der Tag wohl nicht
beginnen. Doch weit gefehlt. Nach einem ausgiebigen Stadtbummel durch Broome
macht die Batterie einen auf Arbeitsverweigerung. Nach etlichen Startversuchen
schaffen wir es aber irgendwie den Sechszylinder zum Laufen zu bringen.
Um zehn Uhr öffnet der "Crocodile Park" von Malcolm Douglas. Vielleicht
haben wir auch diesmal wieder das Glück und treffen den bekannten
australischen Dokumentarfilmer und Abenteurer in seinem Krokodilpark. Im
Auftrag der Regierung fängt Malcolm Douglas aggresive und verletzte
Tiere, welche eine Gefahr für die Bevölkerung darstellen, ein.
Hundertfünfzig davon fanden im grössten privaten Krokodilpark
Australiens ein neues Zuhause. Gegen zwölf Uhr mittags verlassen wir
den Park wieder. Unser Toyota macht nun allerdings keinen Muckser mehr.
Die Batterie scheint sich diesmal entgültig verabschiedet zu haben.
Ausgerechnet jetzt ist weit und breit kein Fahrzeug zur Stelle welches
uns Starthilfe geben könnte. Also schnell ein Anruf bei "Walcott Auto
Repairs". Eine halbe Stunde später erscheint Peter mit seinem Servicefahrzeug
und gibt uns einen "Jump". Vorsichtshalber fahren wir noch mit zur Werkstatt
um die Batterie aufladen zu lassen. Zum "Gantheaume Point" sind es von
Broome aus noch zwanzig Kilometer. Durch tiefen roten Sand wühlt sich
unser LandCruiser zum südlichen Ende der Cable Beach. Rote Klippen
und verwitterte Felsformationen bilden einen beeindruckenden Kontrast zum
türkisfarbenen Wasser. Bei Ebbe kann man hier noch 130 Millionen Jahre
alte Dinosaurierfussabdrücke bewundern. Auf der Rückfahrt gelangt
man am Port Drive zum zum Japanischen Friedhof. Neunhundert japanische
Perlentaucher haben hier ihre letzte Ruhestätte gefunden. Die meisten
starben an der gefährlichen Dekompressionskrankheit oder kamen bei
schweren Wirbelstürmen ums Leben. An der Cable Beach Road befindet
sich auch der "Palm Cove Campground". Nach der stürmischen Vornacht
erscheint es uns doch vernüftiger etwas weiter abseits vom Meer zu
übernachten. Drei Holländer mit einem alten Holden Kingswood
sorgen am Abend für gute musikalische Dauerbeschallung.
> Tom Price |
> Tom Price |
> Emergency
Airstrip |
> Red Sand
Dunes |
> Shell
Beach |
Bevor es
Richtung Port Hedland weitergeht, besuchen wir noch den "Courthouse Market"
in der Stadt. Neben kulinarischen Spezialitäten bieten hier jeden
Samstag einheimische Künstler ihre Waren an. Vor uns liegen heute
noch 610 Kilometer. Wir verlassen nun wieder Broome und folgen in Küstennähe
dem Great Northern Highway nach Süden. Links der Strasse lässt
sich die "Great Sandy Desert", eines der heißesten Gebiete der Erde
schon erahnen. Das Thermometer übersteigt bereits in den Vormittagsstunden
die 35°C Marke. Am "Sandfire Roadhouse" legen wir erstmals eine längere
Pause ein. Wer hier allerdings ein dringendes Bedürfnis zu erledigen
hat, kann mitunter interessante Erfahrungen auf dem WC machen. Handgrosse
Frösche können dort schon mal unter dem Brillenrand hervorspringen
um sich im kühlen Nass der Toilette abzukühlen. Weiter geht es
nun zum "Eighty Mile Beach". Unmittelbar am Highway führt ein Abzweig
durch die Dünenlandschaft zu einem endlosen menschenleeren Traumstrand.
Das herrliche türkisblaue Wasser lädt natürlich zum Baden
ein. Port Hedland werden wir aber heute wohl nicht mehr vor Einbruch der
Dunkelheit erreichen. Da kommt uns doch Gary's Insidertipp mit dem "Cape
Keraudren Reserve" ganz gelegen. Auf der Fahrt dorthin müssen wir
allerdings unangenehme Bekanntschaft mit fliegenden Heuschrecken machen.
Im Sekundentakt schlagen hunderte dieser Insekten laut auf unserer Windschutzscheibe
ein und hinterlassen ein fürchterliches Geschmiere. Am "Pardoo Roadhouse"
müssen wir deshalb die Scheibe gründlich reinigen und das Spritzwasser
wieder auffüllen. Von hier aus sind es jetzt noch fünfzehn Kilometer
bis nach Cape Keraudren. Doch wer dachte hier würde es besser werden
mit den Grasshoppern wird eines Besseren belehrt. Schwärme von Millionen
dieser geflügelten Heuschrecken lassen den Tag urplötzlich zur
Nacht werden. Schon an der Ranger Station ist unser Spritzwasser völlig
aufgebraucht. Der Kühler steckt voller Insekten und könnte deshalb
zu einer Überhitzung des Motors führen. Nach wenigen Minuten
gelangen wir schliesslich zu einem abgelegenen Platz inmitten der Wildnis,
mit herrlichem Blick auf's Meer. Wie es aussieht sind wir hier die Einzigsten.
Zur Dämmerung hin verschwinden dann auch endlich die Heuschrecken.
Abgelöst werden sie allerdings durch Moskitos. Kangaroos hüpfen
um unser Camp herum und beobachten uns beim obligatorischen Einsprühen
mit "Bushman" Insektenspray. Versteckt im hohen Spinifexgrass nähert
sich uns auch noch zu allem Überfluss eine Herde freilaufender Rinder.
Der Himmel hat jetzt die unglaublichsten Farben angenommen. Von Rotorange
bis hin zu Pink und Violett erstreckt sich das ganze Spektrum an Kitschfarben,
welche Australiens Sonnenuntergänge so einzigartig machen. Das erspart
uns im Nachhinein immerhin das Nachcolorieren der Fotos.
> australia
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